17. November 2021 – Wo ist Süle? – Tick -Tack
Als Endemie wird das gehäufte Auftreten zu bestimmten Zeiten von Krankheitsfällen mit deutlicher Zunahme von Prävalenz und Inzidenz bezeichnet. Ein endemischer Status kennzeichnet eine fortwährend erhöhte Fallzahl nach ihrem Fortwähren, nicht nach der Höhe des Niveaus. Treten Krankheiten mit hoher Kontagiosität und hoher Letalität auf, wie beispielsweise das Ebolafieber, so kommt es zu Ausbrüchen mit einer rasch ansteigenden Zahl von Krankheitsfällen und später Todesfällen, nicht aber zu einem andauernden endemischen Status. Anders bei der Malaria, die zu den weltweit häufigsten Infektionskrankheiten gehört und in rund hundert Ländern auf verschiedenem Niveau endemisch ist; ist in einer Region nahezu die gesamte Bevölkerung betroffen, wird auch von holoendemisch gesprochen. Die Ausbreitung der Krankheit wird durch den Klimawandel begünstigt. Die Endemiegebiete im Verbreitungsraum der Anopheles-Mücke unterscheiden sich im Risiko, durch Übertragung des Erregers, eines humanpathogenen Plasmodiums, einer der derzeit rund 200 Millionen Neuerkrankten pro Jahr zu werden.

Da sich die Endung -demie auf Menschen bezieht, sind in der Veterinärmedizin auch die Bezeichnungen  Seuchenzug und Panzootie (von ζῷον zõon ‚lebendes Wesen, Lebewesen, Tier‘) statt Pandemie und ebenso Epizootie (von επί epí ‚auf‘) statt Epidemie üblich.

Die Pest im Mittelalter (auch bekannt als Schwarzer Tod) war eine Seuche, die sich in Europa teilweise über das Handelsnetz der Genueser Kolonien ausbreitete – per Schiff und auf dem Landweg.

Heute gelten Flugrouten als die schnellsten Ausbreitungswege von Infektionskrankheiten.[5] So entwickelte sich AIDS, das durch das HI-Virus verursacht wird, u. a. durch den Flugtourismus von einem lokalen zu einem weltweiten Problem. Nachvollziehbar war dieser Effekt auch während der SARS-Pandemie 2002/2003: Während man in Asien noch die klassischen Verbreitungswege für SARS annahm, zeigte die zunehmende Zahl der Erkrankungen in Kanada diesen Reise-Effekt schon recht deutlich. Auch das Ausbreitungsgeschehen im Verlauf der Zikavirus-Epidemie 2015/2016 in Südamerika wurde mit der intensiven Reisetätigkeit während der Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Verbindung gebracht.

Die Weltgesundheitsorganisation hat darauf hingewiesen, dass ein pandemischer Krankheitserreger durch die große Anzahl gleichzeitig Erkrankter das Gesundheitssystem eines Staates überlasten kann.[6]

Zur quantitativen Beschreibung und Prognose pandemischer und ähnlicher Ausbreitungsprozesse nutzen Wissenschaftler Computersimulationen sowie Methoden der Theoretischen Biologie, beispielsweise das SIR-Modell.

Bedeutende Pandemien in der Geschichte waren:

  • Antoninische Pest, 165–180. Vermutlich eine Pocken-Pandemie, die sich auf dem Gebiet des Römischen Reiches ausbreitete; rund 5 Millionen Tote.[7]
  • Justinianische Pest, 541 – ca. 770. Auswirkungen waren bis ins 8. Jahrhundert bemerkbar. Die Erkrankung verbreitete sich im gesamten Mittelmeerraum und in der gesamten den Römern bekannten Welt. Die Zahl der Todesopfer ist umstritten. Ursache war Yersinia pestis.
  • Schwarzer Tod, 1347–1352. Aus Zentralasien kommend über ganz Europa verbreitet; geschätzt 25 Millionen Tote – ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung. Ursache war Yersinia pestis.
  • Verschiedene Cholera-Pandemien, beginnend etwa 1817 bis heute. Ursache ist das Bakterium Vibrio cholerae.
  • Dritte Pest-Pandemie, 1894–1911. Erstmals aufgetreten in China, weltweit verbreitet, rund 12 Millionen Tote. Ursache: Yersinia pestis.
  • Spanische Grippe, 1918–1920. Wahrscheinliche Ausgangsregion waren die Vereinigten Staaten. Infiziert wurden vermutlich 500 Millionen Menschen, von denen etwa 20 bis 50 Millionen starben.
  • Mitte 1929 wurden infizierte Amazonaspapageien von Südamerika aus in diverse Länder exportiert, darunter nach Deutschland, Frankreich, Spanien, die USA und Australien. 750 bis 800 Papageienkrankheit-Infektionen bei Menschen wurden bestätigt; über 100 der Infizierten starben.[8]
  • Ausbreitung von HIV/AIDS (seit Anfang der 1980er-Jahre); laut UNAIDS rund 76 Millionen Infizierte und 33 Millionen Verstorbene seit 1980 (Stand: Mitte 2020

Die deutsche Bundesregierung ließ 2012 eine Pandemie mit einem ausgedachten Virus mit dem Namen Modi-SARS hypothetisch durchspielen.[11][12]

Bill Gates warnte 2015, dass man auf eine globale Epidemie nicht vorbereitet sei.[13]

Carolien van de Sandt, Peter-Doherty-Institut für Infektionen und Immunität an der Universität von Melbourne, und weitere Autoren warnten im Oktober 2018 im Fachblatt Frontiers in Cellular and Infection Microbiology vor einer zweiten Spanischen Grippe. Der demografische Wandel, Antibiotika-Resistenzen und der Klimawandel könnten die Bekämpfung der Krankheit erschweren, sodass bis zu 150 Millionen Menschen sterben könnten.[14]

Chinesische Forscher warnten im März 2019 vor der Problematik der Verbindung von Fledermäusen und Corona.[15]

Im August 2019 führte das U.S. Department of Health and Human Services das Planspiel Crimson Contagion unter der Annahme eines neuen Grippevirus aus China durch mit dem Ergebnis, dass in den USA 500.000 Todesfälle geschahen.

Bei einer Influenza-Epidemie oder Grippewelle werden 10–20 % einer Bevölkerung infiziert, aber die Ausbrüche bleiben lokal begrenzt. Bei einer Pandemie hingegen verbreiten sich die Viren rasch und mit Infektionsraten von bis zu 50 % über den gesamten Globus. Auslöser ist immer ein neuer Subtyp des Influenza-A-Virus, der auch durch einen Antigenshift (eine Durchmischung von humanen und aviären, das heißt aus Geflügel stammenden Gen-Segmenten) entstehen kann. Eine solche Durchmischung von Vogelgrippe– und humanen Influenzaviren kann beispielsweise im Schwein stattfinden (Schweineinfluenza), wenn diese Tiere Träger beider Viren sind.

Auch in Grippe-Jahren ohne Pandemie stirbt jährlich eine Vielzahl von Menschen an dieser Krankheit bzw. an ihren Folgen, vor allem an den Folgen einer Lungenentzündung infolge bakterieller Superinfektion. Beispielsweise wurden dem Robert Koch-Institut im Winterhalbjahr 2017/18 rund 334.000 labordiagnostisch bestätigte Influenza-Erkrankungen gemeldet; 60.000 Erkrankte wurden in Hospitälern aufgenommen und 1.674 Erkrankte verstarben nachweislich an einer Influenza-Infektion.[16]

Beispiele für Influenzapandemien in jüngerer Zeit:

Von Irrenhaus

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